Postfossil

Ist die Welt noch zu retten? Experten aus Justiz, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft ermutigen junge Menschen beim „Youth Summit 2015“

Ein Artikel von Mirjam Mögele.

Um die 100 Jugendliche aus 23 Nationen kamen beim „Youth Summit 2015“ in der Evangelischen Akademie zusammen, um über die Zukunft unseres Planeten zu diskutieren. Im Zentrum hierbei steht die globale Klimaerwärmung und die Initiative „Plant-for-the-planet“, die vorhat, in den nächsten fünf Jahren weltweit 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Die Jugendlichen sollen bei diesem Jugendgipfel ein Handwerkszeug erhalten, um in ihren Ländern etwas zu verändern. Ein Highlight war das Seminar „When negotiations get through“ von Matthias Schranner – hier konnten die jungen Menschen erfahren, wie sie ihre Präsidenten Obama und Co. von der Idee, Bäume zu pflanzen und auf erneuerbare Energien umzustellen, überzeugen können. Wichtig sei vor allem der Punkt der „common interests“, also gemeinsame Interessen zu finden, um davon ausgehend verhandeln zu können. Zahlreiche weitere Professoren und Experten sprachen in Vorträgen, Seminaren oder auch per Videobotschaft zu den Jugendlichen.

Never give up!“

In seinem Eingangsvortrag „Humankind and the Stability of the Earth System“ machte Prof. Mojib Latif den jungen Teilnehmern Mut: „Never give up!“ Zwar sei der Klimawandel tatsächlich Menschengemacht, aber es sei noch nicht zu spät, etwas zu unternehmen. Dennoch erläuterte Latif auch die Problematik der Klimaerwärmung, die vor allem durch Gase in der Atmosphäre wie CO2 erzeugt würde. Bereits 1896 hatte der Schwede Svante Arrhenius herausgefunden, dass sich CO2 auf die Bodentemperatur auswirkt. Da wir diese Gase aber nicht sehen können, sehen wir auch nicht das Problem. Wären die Gase rot, würde sich der Himmel einfärben. Die CO2-Konzentration sei noch nie so hoch gewesen. Ein damit verbundenes Folgeproblem sei auch die Übersäuerung der Ozeane. Organismen wie Korallen und Krebse werden von der Säure angegriffen, das gesamte Ökosystem droht zu kippen! Unfair ist auch die weltweite Verteilung des CO2-Ausstoßes – denn China beispielsweise habe höhere Ausströße, produziere aber auch für Europäer. Das ist das Problem der „grauen Emissionen“ und damit der Gerechtigkeit. Dennoch zeigt sich Latif optimistisch: Den Mauerfall habe 1985 auch noch keiner vorhersehen können.

Die Problematik der Klimaerwärmung

Natürlich kamen aber auch kritische Referenten zu Wort. Hans-Peter Schmid, Professor für Atmosphärische Umweltforschung an der TU München, gab zu bedenken: Vor 3,5 Millionen Jahren war die Welt 2°C wärmer, da habe es aber noch keine Menschen gegeben und er vergleicht die Erwärmung der Erde mit der menschlichen Temperatur: „Bei 5°C wärst du tot, bei 2°C im Krankenhaus.“ (Anm.: Als es auf der Erde 5°C kälter war, gab es eine Eiszeit) Diese Klimaerwärmung haben Menschen noch nicht miterlebt. Allerdings könne man den Ausstoß der Treibhausgase beeinflussen: Durch Einschränkung des Individualverkehrs, Isolation von Gebäuden und indem jeder Einzelne spart und natürlich in der Industrie. Außerdem sprich er „AFOLU“ (Agriculture, Forestry and other Land Use“ an. Etwa werden (Regen-)wälder abgeholzt und auf den freien Flächen Rinder gehalten – die produzieren aber wieder Methan, ebenfalls ein Treibhausgas. Die Menschen sollen also überlegen, ob sie nicht den Fleischkonsum herunterfahren. Hier kann jeder Einzelne sein Verhalten ändern.

Dürfen Kinder wählen? Warum nicht?

Ein Thema, das viele Kinder und Jugendliche bewegt – das Wahlrecht. Hierzu referierte Prof. Dr. Felix Ekardt, Mitinitiator von „Wir wollen wählen“ eine Initiative, die auch Renate Schmid (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend a.D.) unterstützt. Denn vor allem der demographische Wandel – was mit einer Alterung der Gesellschaft einhergeht – führe dazu, dass Politiker eher die Interessen der älteren Bevölkerung beachten. Und auch Wolfgang Gründinger von der „Stiftung Generationengerechtigkeit“, brachte schlagfertige Argumente für ein Wahlrecht für Kinder und/oder Familien. Etwa stellt er sich die Frage: Ist das Alter ein Maßstab für kognitive Fähigkeiten und Reife? Man dürfe sogar betrunken wählen gehen – es gibt keine Test, ob man im Stande ist, sein Kreuzchen zu setzen. Oder müssen wir einen „Wahltest“ einführen, um zu prüfen, ob wirklich alle Wähler das deutsche Wahlsystem verstehen? Kinder wissen oft mehr als die Erwachsenen und haben Ideen, wie Bäume gegen den Klimawandel zu pflanzen. Altersgrenzen sollen die Kinder ja auch beschützen. Aber ist die Demokratie wirklich schädlich wie Alkoholkonsum oder das Rauchen? Generell das Problem der Altersgrenze – mit 14 Jahren darf ein Kind seine Religion wählen, mit 16 in die Armee gehen und ebenfalls Mitglied einer politischen Partei werden – wieso also erst mit 18 wählen? Im Anschluss gab es sehr großen Redebedarf unter den Teilnehmern!

We need heroes!“

Franz Josef Radermacher, Professor für Mathematik und künstliche Intelligenz sowie Mitglied des „Club of Rome“ unterstützte die Jugendlichen mit seinem Wissen und Können. Für ihn ist die ökosoziale Marktwirtschaft ein wichtiges Ziel für die Zukunft. Er zeigte sich überzeugt: „We need heros“ – „Wir brauchen Helden“ – und das sind die Kinder, die sich hier versammelt haben.

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