Digitale Welten / Himmel & Erde

Toleranz – ein notwendiges Lebensprinzip

Die Evangelische Akademie Tutzing zeichnet in diesem Jahr Bundespräsident a. D. Christian Wulff und Dr. Constanze Kurz mit dem Toleranz-Preis aus. Die Themen, die dabei im Hintergrund stehen, lauten: Islam und Integration sowie Datensicherheit. Themen, die die gesellschaftliche Agenda in Deutschland in diesem Jahr prägen und deren Bedeutung noch zunehmen wird.

Constanze Kurz, Informatikerin, Sachbuchautorin, Kolumnistin und ehrenamtliche Sprecherin des Chaos Computer Clubs, wird für ihr vorbildliches Engagement als unbequeme Mahnerin auf dem Gebiet des Datenschutzes und der Datensicherheit geehrt. Wir würdigen ihre wissenschaftlichen und journalistischen Arbeiten, mit denen sie ethische und rechtliche Maßstäbe aufzeigt, wie Politik, Gesellschaft und jeder Einzelne verantwortlich auf die Herausforderungen reagieren muss, die sich durch die Digitalisierung sowie den Umgang mit Daten und Informationen ergeben.

Wie die Menschen mit den eigenen Daten und Informationen umgehen, ist zu allererst ihre eigene Sache. Sie sind darin aber nicht souverän. Selbstbestimmt leben – wie geht das im Zeitalter der Digitalisierung? Wie ist das möglich, wo wir durch unser Einkaufsverhalten, wofür wir uns beruflich wie privat interessieren, Spuren hinterlassen, die von Unternehmen ausgewertet werden – und auf die auch der Staat zugreifen kann. Big Data – wer das stetig wachsende Datenvolumen verarbeiten kann, der hat den Schlüssel zur Zukunft. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Aber auch in der digitalen Welt müssen klare Regeln gelten, die Freiheit sichern und sie nicht einschränken.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zukunft unserer Gesellschaft davon abhängt, ob es ihr gelingt, auch in der digitalen Welt eine verbindliche Ordnung festzulegen und ihre Einhaltung zu gewährleisten.

Ich bin zugleich der festen Überzeugung, dass die Zukunft unserer Gesellschaft davon abhängt, ob es ihr gelingt, Muslime zu integrieren. Heute würdigen wir Christian Wulffs leidenschaftliches Werben für einen verstärkten Dialog mit dem Islam sowie für eine Gesellschaft, die offen ist für kulturelle Vielfalt und für die Auseinandersetzung mit Fremden und Fremdem. Durch den Hinweis in seiner Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit 2010, wonach der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehöre, hat er einen wichtigen Beitrag zur Integration von Muslimen geleistet.

Die Herausforderung, vor der wir in diesem Zusammenhang stehen, kann nur gemeistert werden, wenn unsere Gesellschaft offen ist für Muslime – und wenn diese die Bereitschaft zeigen, sich integrieren zu lassen, um diese Wertegemeinschaft mitzugestalten.

Toleranz ist ein Lebensprinzip, das unsere Gesellschaft nötiger hat denn je. Deutschland – wie auch andere Länder in Europa – bekommen auf Dauer ein Problem, wenn die Akzeptanz und Wertschätzung von Vielfalt nicht gefördert wird. Diese Förderung brauchen wir, damit Menschen anderer Herkunft, Kultur und Religion sich bei uns wohlfühlen können.

Toleranz und Zivilcourage sind zwei Seiten einer Medaille. Sie gehören untrennbar zusammen. Wissen und Bildung machen es möglich, tolerant zu sein. Mit Passivität hat das allerdings nichts zu tun, denn es geht nicht um Duldung, sondern um Anerkennung und Wertschätzung. Es geht darum, auf andere zuzugehen und sie verstehen zu wollen.

So ist es das Anliegen der Evangelischen Akademie Tutzing, mit ihrem Toleranz-Preis jene Anstrengungen zu würdigen, die auf gesellschaftlichen Konsens ausgerichtet sind, sozialen Frieden wahren helfen und ein Leben in Freiheit sichern – zum Wohle aller Menschen.

Die Redetexte der Preisträger und Laudatoren sind hier zu finden!

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