Himmel & Erde

Politische Bildung

Politische Bildung ist eine Grundfrage öffentlichen Lebens.Schon Aristoteles und Cicero haben ihre Notwendigkeit erkannt. In Deutschland wurde der Begriff von Paul Rühlmann (1875-1933) geprägt. Nach welchen Prinzipien funktioniert sie, was ist ihr Ziel und worin liegen die Herausforderungen?

Von Udo Hahn

 

Einleitung

Wo Menschen zusammenleben bilden sie eine Verantwortungsgemeinschaft. Und damit dieses Zusammenleben gelingt, braucht es u.a. diese Elemente: Partizipation, Toleranz, Kritikfähigkeit. Dies sind zentrale Bestandteile politischer Bildung. Als Begriff hat ihn in Deutschland erstmals der Geschichtslehrer, Ministerialbeamter und Schulbuchautor Paul Rühlmann (1875-1933) verwendet. Er hatte 1908 die Einführung des Fachs „Politische Bildung“ an Schulen gefordert. Die Notwendigkeit politischer Bildung findet sich bei Aristoteles und Cicero, im ausgehenden Mittelalter, als sich mit der Reformation Martin Luthers und ihren Folgen eine öffentliche Meinung herausbildete und die die römisch-katholische Kirche die Deutungshoheit bzw. das Meinungsmonopol in religiösen Fragen verlor. Emanzipation, Humanismus, Aufklärung führen konsequenterweise zu politischer Bildung als einem Bereich der Bildung, der sich gleichermaßen auf den schulischen wie den außerschulischen Raum konzentriert und eine Gesellschaft als Ganzes in den Blick nimmt.

Dass politische Bildung zu einer Grundfrage des öffentlichen Lebens wird, hat Rühlmann erkannt. So bekam in der Weimarer Verfassung das neue Schulfach Staatsbürgerkunde einen Verfassungsauftrag (Art 148). Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstanden neue Initiativen im Bildungswesen, etwa die Volkshochschulen. Diese und die Idee der Heimvolkshochschule haben ihre Wurzeln in Dänemark. 1830 wurde dort die erste Heimvolkshochschule nach den Vorstellungen des dänischen Pädagogen Nikolai Frederik Severin Gruntvig (1783-1872) gegründet. Für Grundtvig sollte das Lernen im Leben eines Menschen immer weiter gehen, unabhängig vom Alter – lebenslang, lebensbegleitend. Die frühen Heimvolkshochschulen boten über den Winter meist mehrwöchige Kurse mit Unterkunft und Verpflegung an. Ihr Ziel war es, unabhängig vom Staat Volksbildung zu betreiben. Adressaten ihrer Angebote waren zunächst junge Erwachsene auf dem Land. Durch gemeinsames Leben und gemeinsames Lernen sollten Identität und Selbstverantwortung der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden.

Politische Bildung gibt es in jedem Staatswesen – in der Demokratie wie in der Diktatur. Im Dritten Reich war es der NSDP gelungen, das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben zu dominieren – gleichzuschalten. Eine Zivil- bzw. Bürgergesellschaft, wie sie Deutschland heute prägt, hatte gar keinen Raum zur Entfaltung. Wer sich der herrschenden Meinung nicht anschloss, wurde unterdrückt und verfolgt. Mit dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus und dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte sich die Aufgabe politischer Bildung neu. Die Alliierten setzten auf Entnazifizierung und auf Reeducation, um die Deutschen zu demokratisieren. Zu diesem Zweck hatte der Alliierte Kontrollrat in seiner Direktive 54 vom 25. Juni 2947 für Schulen die „Entwicklung eines bürgerlichen Verantwortungsgefühls“ sowie „die Auffassung einer demokratischen Lebensweise“ vorgeschrieben.

Am 25. November 1952 wurde die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) als Bundeszentrale für Heimatdienst in der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Den heutigen Namen trägt sie seit 1963. Die bpb ist eine nachgeordnete Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern mit Sitz in Bonn. Im Münchner Manifest vom 26. Mai 1997 wurden die Ziele der politischen Bildung konkretisiert, amtlich definiert sind die Aufgaben im „Erlass über die Bundeszentrale für politische Bildung vom 24. Januar 2001“. Darin heißt es im § 2: „Die Bundeszentrale hat die Aufgabe, durch Maßnahmen der politischen Bildung Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken.“

Jedes Bundesland hat seine Landeszentrale für politische Bildung. Diese dienen der Förderung und Vertiefung der politischen Bildung und des staatsbürgerlichen Verantwortungsbewusstseins der Bürger eines Landes. In vielen Aufgabendefinitionen wird zudem auf die Festigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und die Förderung der demokratischen Teilhabe eingegangen. Die Landeszentralen für politische Bildung handeln ihren Statuten gemäß überparteilich, sind aber einem Ministerium angegliedert und je nach Bundesland beispielsweise als Landesanstalt oder Landeseinrichtung organisiert. Sie sind unabhängig von der Bundeszentrale für politische Bildung und stellen deren Pendants auf Landesebene dar. Als gemeinsames Angebot zur politischen Bildung stellen die Landeszentralen im Rahmen einer Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) das Informationsportal zur politischen Bildung bereit, das von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg betreut und entwickelt wird. Zwischen 2004 und 2016 ging Niedersachen einen Sonderweg. Unter dem damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff war die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung durch Beschluss der Landesregierung aus Kostengründen aufgelöst worden. 2017 wurde sie wieder eröffnet.

Grundlagen

Politische Bildung, so könnte man sagen, initiiert und organisiert Bildungsprozesse, in denen es darum geht, unser individuelles Verhältnis zum Politischen zu bestimmen. Sie geht davon aus, dass Demokratie gelernt werden muss – und kann. Zwei Initiativen bilden bis heute die Grundlagen für politische Bildungsarbeit: der sogenannte Beutelsbacher Konsens sowie das Münchner Manifest:

Der Beutelsbacher Konsens ist das Ergebnis einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zusammen mit Politikdidaktikern unterschiedlicher parteipolitischer oder konfessioneller Herkunft im Herbst 1976 in Beutelsbach. Der Konsens legt die Grundsätze für die politische Bildung fest. Der Konsens legt drei Prinzipien für den Politikunterricht fest. Von der Bundeszentrale für politische Bildung anerkannte Bildungsträger müssen alle drei Prinzipien anerkennen, um förderungsfähig zu sein.

Der Beutelsbacher Konsens im Wortlaut

1. Überwältigungsverbot.

Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der „Gewinnung eines selbständigen Urteils“ zu hindern . Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der – rundum akzeptierten – Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schülers.

2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.

Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft, denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen unerörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten. Zu fragen ist, ob der Lehrer nicht sogar eine Korrekturfunktion haben sollte, d. h. ob er nicht solche Standpunkte und Alternativen besonders herausarbeiten muss, die den Schülern (und anderen Teilnehmern politischer Bildungsveranstaltungen) von ihrer jeweiligen politischen und sozialen Herkunft her fremd sind.

Bei der Konstatierung dieses zweiten Grundprinzips wird deutlich, warum der persönliche Standpunkt des Lehrers, seine wissenschaftstheoretische Herkunft und seine politische Meinung verhältnismäßig uninteressant werden. Um ein bereits genanntes Beispiel erneut aufzugreifen: Sein Demokratieverständnis stellt kein Problem dar, denn auch dem entgegenstehende andere Ansichten kommen ja zum Zuge.

3. Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen. Eine solche Zielsetzung schließt in sehr starkem Maße die Betonung operationaler Fähigkeiten ein, was eine logische Konsequenz aus den beiden vorgenannten Prinzipien ist. Der in diesem Zusammenhang gelegentlich – etwa gegen Herman Giesecke und Rolf Schmiederer – erhobene Vorwurf einer „Rückkehr zur Formalität“, um die eigenen Inhalte nicht korrigieren zu müssen, trifft insofern nicht, als es hier nicht um die Suche nach einem Maximal-, sondern nach einem Minimalkonsens geht.

Das Münchner Manifest vom 26. Mai 1997 reagiert auf die Herausforderung, die sich mit der Vereinigung Deutschlands und einem Wiedererstarken des Rechtsextremismus ergeben hat.

Der Wortlaut

Demokratie braucht politische Bildung
Zum Auftrag der Bundeszentrale und der Landeszentralen für politische Bildung

An der Schwelle des 21. Jahrhunderts stehen die Menschen national wie international vor grundlegenden politischen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, die existentiell in das Leben gegenwärtiger und zukünftiger Generationen eingreifen. Im Übergang von der Industrie- in die postindustrielle Gesellschaft werden durch technologische Entwicklungen und globale ökonomische Transfers in fast allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen gravierende und sich ständig beschleunigende Veränderungsprozesse ausgelöst. Soziale und ökologische Effekte folgen. Die Veränderungen in der postindustriellen Gesellschaft sind äußerlich vor allem gekennzeichnet durch eine multimediale Informationsflut von unterschiedlichen Nachrichten”, denen der einzelne ausgeliefert ist (Informationsgesellschaft). Chancen und Risiken sind nicht mehr regional eingrenzbar. Sie werden verteilt und wirken auf alle zurück. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung z.B. bei der drastischen Reduzierung der Arbeitsplätze und den damit verbundenen einschneidenden Veränderungen in der Lebenssituation der Menschen.

Diese technischen Veränderungsprozesse scheinen aufgrund ihrer langfristigen Wirkungen und globalen Orientierung unumkehrbar und korrespondieren u.a. mit einer zunehmenden Verunsicherung der Menschen angesichts der unüberschaubaren und zeitgleich angebotenen Fülle von Daten, Fakten und Informationen. Der einzelne entwickelt sich zum Informationsriesen, bleibt aber ein Bildungszwerg. Denn innerlich hat sich parallel ein gewaltiger Wertewandel vollzogen, der gleichsam Voraussetzung zur Beschleunigung dieses Prozesses war und nun im Ergebnis selbst von dieser multimedialen Flut befördert wird: Individualismus, Egoismus, Entsolidarisierung, Auflösung von generationsübergreifenden Wertmaßstäben der christlich-abendländischen Tradition, bedingungslose Konsumorientierung und -haltung sind Stichworte, die diesen Prozeß beschreiben. Die damit einhergehende Pluralisierung der Gesellschaft mündet in eine wachsende Ablehnung dauerhafter Bindungen (in den individuellen Beziehungen genauso wie in Parteien, Verbänden, Kirchen usw.) und einer ausgeprägten Distanz zu der Welt der Politik (s. z.B. Wahlverhalten). Wenn auch diese Distanz zu spezifischen Formen der Politik und Parteienwelt nicht mit politischem Desinteresse überhaupt verwechselt werden darf, so ist sie dennoch eine Herausforderung für die politische Bildung.

Zur gleichen Zeit muß weiter an der inneren Einheit Deutschlands gearbeitet werden. Viele Menschen haben einen Systemwechsel zu verkraften, der generell neue Antworten und Lösungen erforderlich macht. Die Menschen spüren, was ihnen abverlangt wird, und da sie sich oft nicht wirklich vorbereitet, sondern überfordert fühlen, reagieren nicht wenige mit Ängsten, mit Orientierungslosigkeit und Aggressivität. In Ost und West muß engagiert an der inneren Einheit Deutschlands weitergearbeitet werden.

Der demokratische Rechtsstaat lebt vom mündigen Mitdenken und Mittun seiner Bürgerinnen und Bürger und ihrer Bereitschaft, sich selbst- und sozialverantwortlich ein Urteil zu bilden, in der Verfassung normierte Regeln und Werte zu respektieren und sich für sie zu engagieren. Demokratie muß in jeder Generation neu erworben werden: gerade in Deutschland aufgrund der Erfahrungen der jüngsten Geschichte. Politische Bildung im öffentlichen Auftrag leistet insbesondere hier einen fortdauernden und unverzichtbaren Beitrag zu persönlicher und gesellschaftlicher Orientierung sowie zur Entwicklung und Festigung demokratischer Einstellungen und Verhaltensweisen.

Angesichts der umfassenden gesellschaftlichen, ökonomischen und technischen Veränderungen steht die politische Bildung vor neuen Aufgaben und Herausforderungen. Der Zukunftsorientierung der politischen Bildung kommt insbesondere auf dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen eine große Bedeutung zu.

  1. Politische Bildung im öffentlichen Auftrag arbeitet pluralistisch, überparteilich und unabhängig.

    Die Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung erbringen auf dem dargestellten Hintergrund Leistungen, die von keiner anderen Einrichtung übernommen werden können. Andere Träger der schulischen und außerschulischen politischen Jugend- und Erwachsenenbildung sind in der Bildungslandschaft von größter Bedeutung und leisten wichtige Beiträge für die politische Bildungsarbeit. Sie können in die Arbeit der Landeszentralen sinnvoll und effektiv einbezogen werden und ergänzend zum Angebot der Landeszentralen und der Bundeszentrale zu einer pluralistischen politischen Bildung beitragen. Den Landeszentralen kommt dabei eine originäre Schlüsselfunktion zu, indem sie die Einbindung dieser Bildungsträger in ihre Arbeit koordinieren und damit die Vielfalt politischer Deutungsmuster und Handlungsmöglichkeiten sowie die Ausgewogenheit des Angebots garantieren. Durch Beratung, Unterstützung und Förderung kann die Qualität und Effektivität des Bildungsangebots anderer Träger gesteigert und die Pluralität gesichert werden.
    Die aufgrund der jeweiligen Gesetze bzw. Erlasse überparteilich arbeitenden Zentralen bieten das ideale Forum, um alle demokratischen Kräfte zusammenzuführen. Sie erreichen auch Menschen, die dem mitverantwortlichen Handeln in Parteien und anderen gesellschaftlichen Organisationen zurückhaltend gegenüberstehen. Die inhaltliche Arbeit der Zentralen vollzieht sich unabhängig und ohne Weisungen. Das ist ein entscheidendes Element für die Akzeptanz ihrer Arbeit.Die Arbeit der Bundeszentrale und der Landeszentralen ergänzen sich optimal. Bei der föderalen Struktur ist es möglich, auf die Bedürfnisse der Menschen auch in ihrem heimatlichen Bereich einzugehen und so die Arbeit den jeweiligen Gegebenheiten der verschiedenen Bundesländer anzupassen.Politische Bildung im öffentlichen Auftrag ist unverzichtbar und darf nicht dem Markt überlassen werden. Vielmehr muß sie als Gemeinschaftsaufgabe aller Beteiligten angesehen und weiterentwickelt werden.
  1. Die Zentralen für politische Bildung fördern die politische Partizipation der Bürgerinnen und Bürger

    Unsere moderne Gesellschaft im Umbruch – zumal in einem zusammenwachsenden Europa – fordert die Demokratiekompetenz der Bürgerinnen und Bürger auf eine besondere Weise heraus. Sie müssen sich auf Neues und Fremdes einlassen. Das gilt besonders für die Jugendlichen, die sich nicht in großer Zahl am politischen Leben beteiligen. Durch Tagungen, Wettbewerbe und jugendgemäße Aktivitäten eröffnen die Zentralen Zugänge zum demokratischen Mitmachen. Besonders Frauen sind nach wie vor zu wenig in der Politik vertreten. In vielen Projekten fördern die Zentralen daher das politische Engagement von Frauen. Darüber hinaus sprechen sie mit einem breiten Seminar- und Publikationsangebot verschiedene Zielgruppen – insbesondere Mittlerinnen und Mittler – an und motivieren und befähigen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zur aktiven Beteiligung an politischen Prozessen. Nur eine Bürgerschaft, die auf qualifizierte Weise am Zustandekommen dessen teil hat, worüber entschieden wird, steht auch in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche zur Demokratie.
  1. Die Zentralen für politische Bildung bereiten auf die globalen Zukunftsaufgaben vor

    Da sich der Wandel in unserer Gesellschaft so dramatisch und rasant vollzieht, muß man den Menschen Hilfestellung anbieten. Die Zentralen stellen sich den gesellschaftlichen, ökologischen und politischen Umbrüchen und setzen sich mit den damit verbundenen Problemen auseinander. Sie nehmen neue Themenstellungen in ihre Bildungsarbeit auf und müssen auch zukünftig für neue Inhalte offen sein (z.B. Globalisierung und ihre wirtschaftlichen und sozialen Folgen, Europa, Technikfolgen, Ökologie). Ihnen kommt darüber hinaus die Aufgabe zu, ggf. auch unpopuläre Themen zu besetzen und in die politische Bildung einzubringen. Die Arbeit der Zentralen für politische Bildung trägt dazu bei, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen und verschiedene Lösungsansätze kritisch zu diskutieren. Neben der Öffnung für neuartige Inhalte ist die Entwicklung, Umsetzung und Evaluierung neuer Methoden und Beiträge zur Didaktik der politischen Bildung von großer Bedeutung. Hierzu gehört neben der Nutzung neuer Techniken und Medien im Bildungsbereich (z.B. Internet) auch die Erprobung neuer Arbeitsweisen und Vermittlungsformen (z.B. Einbeziehung externer Kompetenz aus Wissenschaft, Politik, Praxis; Kooperationen mit anderen Trägern).
    Politische Bildung steht nicht im Gegensatz zur beruflichen Qualifikation, sondern ist Voraussetzung für ein erfolgreiches berufliches Handeln. In einer veränderten Arbeitswelt, in der das Gebot der ökonomischen Rationalität längst an ihre Grenzen stößt, sind vom einzelnen neue Qualitäten gefordert, die Kreativität, Urteilsfähigkeit und Verantwortungsbewußtsein einschließen. Die politische Bildung stellt mit der Heranbildung und Förderung politischer Urteilsfähigkeit eine wichtige Schlüsselqualifikation dar, die auch in der Arbeits- und Wirtschaftswelt zunehmend gefragt ist.
  1. Die Zentralen für politische Bildung arbeiten für die Stabilität der Demokratie auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

    Eine „wetterfeste” Demokratie muß auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stabil bleiben. Die Zentralen tragen im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft und ihrer Folgen zur Versachlichung der politischen Auseinandersetzung bei und verhelfen der Einsicht zum Durchbruch, daß die Demokratie dann sicherer ist, wenn eine Gesellschaft nicht über ihre Verhältnisse lebt. Sie arbeiten für eine aktive Bürgergesellschaft, die den Staat als Summe aller Bürgerinnen und Bürger begreift und nicht als ein dienstleistendes Gegenüber.
    Die finanzielle Unterstützung der Bemühungen der vielen freien Träger politischer Bildung muß staatlich garantiert und verantwortet werden, damit die Arbeit gerade in schwierigen Phasen nicht gefährdet wird.
  1. In den neuen Bundesländern hat die politische Bildung besondere Aufgaben

    In den neuen Bundesländern fällt der politischen Bildung die wichtige Aufgabe zu, im Umbruch von Diktatur und zentralistischer Planwirtschaft zu Demokratie und sozialer Marktwirtschaft die Bereitschaft der Bürger für eigenverantwortliches politisches Handeln zu wecken und zu fördern. Über die Vermittlung von Kenntnissen über demokratische Institutionen und rechtsstaatliche Strukturen hinaus sind Angebote für die Einübung in eine demokratische Streitkultur und Meinungsvielfalt notwendig. Zugleich muß die Achtung vor anderen Einstellungen geweckt werden. Nur so können Bürgerinnen und Bürger für politische Aktivitäten befähigt werden. Zugleich kann politische Bildung den Verantwortlichen in Verwaltung und Parteien den Bürgerwillen nahebringen, die Nöte der Menschen und ihre Erwartungen nach bürgernahen und transparenten Entscheidungen thematisieren und in diesem Sinne vermittelnd und mobilisierend in Entscheidungsfindungen eingreifen.
    Es ist darüber hinaus eine zentrale Aufgabe politischer Bildung, den Vereinigungsprozeß für die Menschen in Ost und West begreifbar zu machen. Das erfordert ein aktives und verstärktes Aufeinander-Zugehen.
  1. Die kritische Aufarbeitung der deutschen Geschichte ist eine zentrale Aufgabe der politischen Bildung.

    Politische Bildung muß sich mit den totalitären Erfahrungen intensiv auseinandersetzen, damit durch die Erinnerungsarbeit die Irrtümer der Vergangenheit künftig vermieden werden können. Die Zentralen für politische Bildung arbeiten eng mit den Gedenkstätten zusammen.

… Auf der Basis dieses Positionspapiers leisten die Landeszentralen und die Bundeszentrale für politische Bildung eigenverantwortlich ihre gemäß den jeweiligen rechtlichen Grundlagen spezifische Arbeit.

Gewiß läßt sich der Ertrag politischer Bildungsarbeit nicht mit ökonomischen Kategorien von Input und Output berechnen. Ebenso können kurzfristige Effizienzüberlegungen kein taugliches Kriterium für politische Bildungsarbeit sein. Dennoch ist sicher: Bildung verändert Denken und Verhalten der Menschen, vermittelt Orientierung und ist damit eine Investition für die Zukunft. Bildungsarbeit – d.h. Entwicklung von Materialien, die Bereitstellung eines pluralen Informationsangebots, die Durchführung vielzähliger und verschiedener Bildungsveranstaltungen – erfordert einen hohen finanziellen Aufwand. Eine ausreichende materielle Ausstattung ist daher Voraussetzung für eine erfolgreiche politische Bildungsarbeit in öffentlicher Verantwortung. Gelder, die in die politische Bildung investiert werden, tragen gute Zinsen.

 

Strukturen

Die politische Bildungslandschaft in Deutschland ist vielgestaltig. Sie reicht im außerschulischen Bereich von der Bundeszentrale für politische Bildung und ihren Landeszentralen über die Volkshochschulen, Stiftungen politischer Parteien, der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit bis hin zu den Aktivitäten der Kirchen. Auf evangelische Akademien soll hier näher eingegangen werden.

Dabei handelt es sich Bildungseinrichtungen der evangelischen Kirche im Kontext der Erwachsenenbildung. Sie dienen weder der Aus-, Fort- und Weiterbildung im klassischen Sinne, noch sind sie wie die traditionellen Akademien der Wissenschaften und der Künste Vereinigungen von Einzelpersonen. Ihre Angebote zielen auf Orientierung und wollen Meinungsbildung möglich machen. Sie gelten als Stätten des Dialogs, als Brücken, Marktplätze, „dritte Orte“ zwischen Kirche und Welt. Ihre Arbeit ist auf wiss. Niveau interdisziplinär und interkulturell ausgerichtet. Sie fördern durch den Diskurs die Suche nach Lösungen in der Zivilgesellschaft, wirken an der Gestaltung einer verantwortlichen, gerechten und partizipativen Gesellschaft mit und verstehen sich als Orte der Begegnung mit dem christlichen Glauben.

Alle evangelischen Akademien – auch die katholischen –  wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Mit diesen Einrichtungen reagierten die Kirchen auf die Erfahrung des Dritten Reiches, dass eine Gesellschaft gleichgeschaltet werden konnte. Entstehungsgeschichtlich spielten kirchliche, theologische, aber auch staatliche Interessen an der Entwicklung eines demokratischen Gemeinwesens zusammen. Eine besondere Bedeutung kommt Eberhard Müller zu, Direktor der ersten neu gegründeten Akademie im Sept. 1945 in Bad Boll. Ideengeschichtlich knüpft die Akademieidee an unterschiedliche historische Vorbilder an. Wichtige Anstöße kamen von den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, Paul Tillich, v. a. von Helmut Thielicke. Dieser legte 1942 dem Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart ein Memorandum vor, nach dem Ende des Nationalsozialismus Gespräche evangelischer Akademiker zur geistigen Neuorientierung Deutschlands auszurichten.

Die evangelische Akademie nimmt mit ihren Auftrag öffentliche Verantwortung wahr, indem sie diese als Orte geistigen Austauschs für den Dialog mit gesellschaftlichen Entscheidungsträgern nutzt. Ihre  Rolle als Makler und Vermittler bezieht sich nicht allein auf die Kirche, sondern auf das Gemeinwesen mit seinen unterschiedlichen Akteuren. Konzeptionell sind die Akademie daraufhin angelegt, „die auf Weltgestaltung zielende Freiheitszusage des Evangeliums in säkularen bis hin in andere religiöse Kontexte auszubuchstabieren“ (Fritz-Erich Anhelm). Sie haben „die Aufgabe, gesellschaftliche Entwicklungen in ihren unterschiedlichen Dimensionen zu reflektieren, protestantische Perspektiven zu eröffnen und zur Demokratisierung unserer Gesellschaft beizutragen“, wie es in dem 2012 erschienenen Dokument „Diskurskultur“ der Evangelischen Akademie in Deutschland e. V. (EAD) heißt. Das zentrale Motiv, das zur Gründung evangelischer Akademien führte, dass sich die Schande des Nationalsozialismus nicht wiederholen darf, bleibt vor dem Hintergrund gegenwärtiger Entwicklungen aktuell. Dabei beteiligen sich die Akademien an laufenden Diskursen und sind zugleich Initiatoren von Diskursen. Sie werden „als Institutionen wahrgenommen, die ein faires Forum auch für kontroverse gesellschaftliche Debatten darstellen“ („Diskurskultur“). Ihr Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen, wissenschaftliche Expertise für Interessierte zugänglich zu machen und den Dialog zwischen Bürgern und Politikern zu fördern. Die Akademien sind Forum und Faktor zugleich. Forum, indem sie unterschiedlichen Positionen Raum geben. Faktor, weil sie Diskursforen gestalten und so dem Auftrag der Kirche, Räume der Meinungsvielfalt zu gewährleisten. Diesem Doppelauftrag kommen die Akademien seit ihren Anfängen nach. Er ist – in Anlehnung an Helmut Schelsky – von der Überzeugung geprägt, dass es Räume der Reflexion braucht, wenn die Selbstverständlichkeit unmittelbarer Gewissheiten fraglich geworden oder abhandengekommen ist. Dem Dauerbedürfnis nach Selbstverständigung und Vergewisserung versuchen evangelische Akademien durch Kommunikationsangebote abzuhelfen. Sie tragen so zur Institutionalisierung der Dauerreflexion bei. Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung, Bewahrung der Schöpfung – in diesen Kategorien sind in den Denkwerkstätten Impulse entstanden, die aus dem vorpolitischen in den politischen Raum gewandert sind und ihre Wirkung entfalteten. Der wohl prominenteste Impuls verbindet sich mit einer Tagung des Politischen Clubs der Ev. A. Tutzing. Hier erfand Egon Bahr 1963 das Motto der Ostpolitik Willy Brandts: „Wandel durch Annäherung“.

Die Bibel geht von einer „verbesserlichen Welt“ (Ernst Lange) aus. Vor dem Hintergrund des sich daraus ableitenden Auftrags, Welt und Gesellschaft zu gestalten, gibt es im Grunde kein Thema, das nicht für eine Akademietagung geeignet wäre. Christliche Grundwerte wie Toleranz und Weltverantwortung bestimmen die in den A. behandelten Themen. Die Palette ist groß: u. a. Theologie, Philosophie, Politik, Geschichte, Kunst, Kultur, Bildung, Medien/Digitalisierung, Psychologie, Soziales, Recht, Wirtschaft/Arbeitswelt, Ökologie, Medizin- und Bioethik, Soziales, Geschlechter- und Gleichstellungsfragen. Zu den Arbeitsformen gehört nach wie vor die klass. mehrtägige Tagung mit Übernachtung am Wochenende oder unter der Woche, dazu Diskussionsformate, Studientage, Foren, Workshops, Lesungen, Konzerte, Studienreisen, aber auch nichtöffentliche Fach- und Klausurtagungen. Gottesdienstliche Angebote sind fester Bestandteil der Tagungen.

Die meisten kirchlichen Akademien haben sich mit ihren Bildungsangeboten als „Marken“ etabliert. Sie erschließen ihren Trägern „nicht nur Kompetenzen in neuen Themen- und Handlungsfeldern“ (Thomas Mittmann), sondern vermitteln auch das Bild einer öffentlichkeitsorientierten Kirche … insbesondere an der Peripherie (Mittmann). Die Akademien tragen maßgeblich zur „Sicherung der anhaltenden öffentlichen Bedeutung der Kirchen“ (Mittmann) bei. Mit der Komplexität der gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen wächst auch der Bedarf an reflexiven Räumen. Der Dienst der Akademien geschieht im überparochialen Bereich und ergänzt den Dienst in der Gemeinde. In Zeiten knapper werdender kirchlicher Finanzmittel muss die Kirche jedoch darauf bedacht sein, einen kontinuierlichen Zugang zu den Funktions- und Verantwortungseliten bes. außerhalb des kirchlichen Milieus zu behalten. Die Zukunft unseres demokratischen Gemeinwesens wird davon abhängen, ob die Akteure der Zivilgesellschaft – auch die Kirchen – es schaffen, eine eigenständige Rolle zwischen Staat und Markt zu spielen: als intermediäre Institutionen, in denen Akademien eine zentrale Bedeutung haben.

 

Herausforderungen

Die Kernfrage politischer Bildung lautet: Wie wollen wir künftig leben bzw. zusammenleben? Hierzu muss in immer neuen Anläufen Meinungsbildung möglich gemacht werden. Durch das Gespräch Verständigung und Interessensausgleich erreichen – das ist das Leitprinzip unserer Diskursgesellschaft, die auf Vernunft und Überzeugungskraft durch Sachargumente baut.

Allerdings erleben wir, wie in manchen politischen Milieus das Vertrauen in die demokratischen Institutionen und die politischen Eliten schwindet und sich eine zunehmende innenpolitische Polarisierung mit stärker werdenden populistischen Kräften entwickelt. Damit einher geht eine Verrohung der Sprache und die Erosion unserer Diskussionskultur. Hinzu kommt eine wachsende Fragmentierung des gesellschaftlichen Diskurses. Jürgen Habermas hat diese Krise vorhergesehen. Im virtuellen Raum zerfalle das Publikum „in eine riesige Anzahl von zersplitterten, durch Spezialinteressen zusammengehaltenen Zufallsgruppen“. Anzunehmen, alle befänden sich stets im selben Diskurs, sei schon immer so etwas wie ein aufklärerischer Trugschluss gewesen. Denn es gab immer schon verschiedene Kommunikationsmilieus, in denen sich Menschen bevorzugt mit jenen umgeben und austauschen, die eine ähnliche Weltsicht oder politische Einstellung haben. Neu ist jedoch, dass dieser Effekt um ein Vielfaches verstärkt und politisch wirksam wird – vor allem mit Hilfe der Echokammern sozialer Netzwerke im Internet. Dies ist bedeutsam im Blick auf alle Debatten um die großen Herausforderungen der Gegenwart.

Wie soll die Gesellschaft aussehen, in der wir leben wollen? Ein Blick in die Bibel kann uns vor übertriebenen Erwartungen bewahren, indem wir zur Kenntnis nehmen, was Jesus im Matthäusevangelium sagt: „Arme habt ihr allezeit bei euch“ (26,11). Dies heißt: Eine perfekte Gesellschaft wird es nicht geben. Das, was eine Gesellschaft braucht, damit es für alle reicht, ist Solidarität. Der Solidaritätsgedanke lebt vom Glauben an die Kraft des Ausgleichs. Und im Zeitalter der Globalisierung müssen wir diesen Gedanken nun auch global denken – und die Konsequenzen daraus ziehen.

Gesellschaften entwickeln sich dann zum Wohle aller, wenn sie eine starke Mitte haben. Die Bindekraft der Mitte sorgt für Stabilität. „Mitte“ ist, so ließe sich sagen, eine Haltung – den Extremen nicht zu folgen. Der Rechtspopulismus ist über die Jahrzehnte gewachsen. Ein Drittel der Menschen in Europa hat hier seine geistige Heimat. Zwei Drittel stehen ihnen entgegen. Damit dies so bleibt und das eine Drittel an Zulauf verliert, dazu bedarf es großer Anstrengungen – eben auch in der politischen Bildungsarbeit. Ihr Auftrag ist es Komplexität zu durchdringen, Ängste abzubauen und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, so dass Ermutigung wächst, Lösungswege zu beschreiten.

Demokratie ist und bleibt die beste Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart. Diese sind gewichtig, denn mit der Digitalisierung geht ein sozio-ökonomischer Wandel einher, der zu Verunsicherungen führt. Das Nicht-mehr-Verstehen einer komplizierter gewordenen Welt bedeutet, dass Verstehen-Wollen eine notwendige Haltung bleibt, die es vielfach neu zu lernen gilt. Das ist in einer pluralen Gesellschaft unverzichtbar. Abgesehen davon, dass es eine homogene Gesellschaft nie gab, wie Populisten weiß machen wollen. Der Philosoph Hans-Georg Gadamer formulierte in einem Essay: „Es ist auch das Miteinander verschiedener Kulturen und Sprachen, Religionen und Konfessionen, das uns trägt.“ Oder mit anderen Worten: Vielfalt ist Reichtum und nicht Bedrohung.

Dieser Reichtum macht unsere Zivilgesellschaft aus. Wobei besser von Bürgergesellschaft zu sprechen ist. Dieser Begriff nimmt den Einzelnen in die Pflicht, fordert ihn zum Nachdenken auf, was er oder sie tun kann für das Gemeinwohl. Hier ist es ist notwendig, die offene Gesellschaft entschieden zu verteidigen. Voraussetzung dafür ist Bildung – politisch, kulturell, religiös. Und es braucht ein Grundvertrauen in die Welt.

Hier lieg die besondere Aufgabe evangelischer Bildungsarbeit, wie sie Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Evangelischen Akademie Tutzing in seiner Festrede am 19. Januar 2017 so formuliert hat: Und ich will mich von hier nicht verabschieden, ohne darauf hinzuweisen, dass es da doch wohl ein Proprium geben müsse – also etwas, das sie von anderen, säkularen Bildungsträgern zu unterscheiden vermag. Ich wünschte mir jedenfalls, dass eine solche Akademie all den Diskursen, die unsere Gesellschaft jeweils prägen, etwas hinzufügt – nämlich das, was der christliche Glaube dem Leben hinzufügen kann. Es wäre eindimensional und auch lebensfremd, würden wir die Potenziale all der Menschen, die vom christlichen Glauben geprägt worden sind, nicht einbeziehen in die Lebensprozesse einer Gesellschaft. Wir wissen um die größere Hoffnung und die größere Hingabe, die glaubende Menschen in die Welt gebracht haben. Darum sollten zentrale Themen des Glaubens auch auf der Agenda bleiben. Die Akademie kann ja trotzdem ein Forum bieten, auf dem die Themen der Zeit mit den unterschiedlichsten Debattenteilnehmern verhandelt werden. Aber sie soll „die Sache mit Gott“ nicht preisgeben. Denn im Vertrauen auf Gott haben Menschen ihre Potenziale erweitern können. Sagen wir es einmal in ganz traditioneller Sprache: Mag der Schöpfergott sich auch unserem Verstehen entziehen, so bleiben doch die, die auf ihn bezogen sind, Gesegnete, Bestärkte, Ermächtigte. Freilich sind diese Worte nur Annäherungen an das Geheimnis, dem wir uns nähern, wenn wir „Gott“ sagen. Aber es gibt Geheimnisse, die wirkmächtig sind – und deshalb soll eben in einer Evangelischen Akademie Raum für die Geheimnisse des Glaubens sein. Und nun mein Abschiedswunsch: Bleiben Sie ein Segen für alle, die hier einkehren. Bleiben Sie denen treu, die sich um die Zukunft unseres Gemeinwesens und der Welt Sorgen machen. Begegnen Sie der Kultur der Ängstlichkeit und des Verdrusses mit einem glaubensgestärkten Ja zur Zukunft.“

 

Der Beitrag ist erschienen in: Mathias Hartmann, Peter Helbich (Hg.), Bildung und Verwandlung als Chance für die Zukunft des Menschlichen, Stuttgart 2018.

Im Bild: Der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, Udo Hahn. (Foto: dgr/eat archiv)

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