Himmel & Erde

Zugehörigkeiten – was Betriebe zusammenhält

Nach Jahren der Abstinenz fuhr ich am Mittwoch wieder einmal nach Tutzing.  Die Mitarbeiterinnen am Empfang begrüßen mich genau so herzlich wie früher. Das goldene Schlosstor glitzert, wie immer in der Mittagsonne, das Zimmer mit Seeblick macht die Begrüßung perfekt. An die zuckerhutähnlichen Gebilde im Park und im Schlosshof konnte ich mich jedoch nicht mehr erinnern… Mit der Akademie verbinden mich u.a. einige gemeinsam veranstaltete Tagungen mit Martin Held. Damals  waren die Vorbereitungen oft genau so spannend wie die Durchführung der Tagungen selbst. Das Ringen um die notwendige Dramaturgie, um das Tagungsthema von möglichst vielen Seiten zu beleuchten, habe ich in besonders intensiver Erinnerung. Dieses Mal war ich Gast und konnte mich zurücklehnen und genießen.

Die Palette der Referentinnen und Referenten, wie die der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war, wie immer sehr vielfältig. Herzlich, aber bestimmt fühlte ich mich von Theresia Volk, Martin Held und den anderen Mitarbeitern durch die Tagung geleitet. Dabei irgendwie zugehörig, diesem (Tagungs)-Betrieb auf Zeit. Zugehörigkeit braucht also Menschen, die Strukturen entwickeln, die sich verantwortlich fühlen, die einen Rahmen abgeben, die sich individuell und kollektiv gleichermaßen um die (Tagungs-) Belegschaft kümmern. Die Ziele haben, Qualitätskriterien entwickeln und transparent machen, dabei auch mit Konflikten konstruktiv umgehen. Einen Rahmen kreieren, bei denen sich jeder selbst entscheiden kann, wie zugehörig er sich fühlen möchte.

Aber wie kann jeder einzelne sich denn entscheiden, welche Zugehörigkeiten er jenseits eines kollektiven Zugehörigkeitsgefühls braucht? Ein Instrument könnte, das bei einem der Vorträge in einem Nebensatz erwähnte Konzept zum Kohärenzgefühl von Antonowsky sein. Meines Erachtens ein noch viel zu wenig eingesetztes Instrument in der Arbeitswelt. Es basiert auf drei Grundlagen:  

1. Verstehbarkeit: Verstehe ich, was mit mir und meinem (Arbeits-) Umfeld geschieht? Verstehe ich dies als strukturiert, vorhersehbar und erklärbar?

2. Machbarkeit: Habe ich selbst Einfluss auf das Geschehen? Kann ich mein Umfeld selbst mit gestalten und bin ihm nicht ausgeliefert?  

3. Sinnhaftigkeit: Kann ich dem, was mit mir und um mich herum geschieht, einen Sinn zuordnen. Ist es ‘wert’, sich dafür einzusetzen und sich zu engagieren?

Diese Fragestellungen könnten Supervisoren und Berater, mit Führungskräften und Mitarbeitern gleichermaßen bearbeiten, unter anderem auf der Suche nach dem richtigen Maß an Zugehörigkeiten.

Am Abend dann, die fast schon legendären Gespräche in den Salons des Schlosses. Kontakte knüpfen, netzwerkeln oder einfach nur über Gott und die Welt plaudern. Die „Zuckerhüte“ glänzten matt im Mondschein… Am nächsten Morgen dann Anregungen für die spirituelle Ebene des Themas „Zugehörigkeiten“ in der Schlosskapelle aufsaugen. Anschließend Arbeitsgruppen, unter anderem zu Ritualen, scheinbar gibt es eine Renaissance von Ritualen in der Arbeitswelt, es scheint aber, wie so vieles differenzierter geworden zu sein. Da werde ich auch noch einmal drüber nachdenken müssen.

Und dann, wie so oft und viel zu schnell Abschied nehmen, aber mit vielen Anregungen, die Zunft der Supervisoren mit neuen Augen zu sehen, mit einem Packen Visitenkarten und einem besonders dankbaren Gefühl an die Organisatoren der Tagung und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Vielleicht sind die „Zuckerhüte“ ja die Antennen der Erdfunkstelle der Evangelischen Kirche in Bayern, wer weiß…

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