Himmel & Erde

Gedanken zum Tag der deutschen Einheit

Nun wird sie heute wohl oft und laut gesungen: Unsere Nationalhymne. Meist nehmen wir Deutschen sie bei großen Sportereignissen war. Ein Olympiasieg oder der obere Podestplatz in der Formel 1. Entweder als Melodie aus dem Lautsprecher, oder aus tausenden von Kehlen im Stadion. Gesungen
 wie eine Beschwörungsformel: 
“Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!“ Schauen wir uns diese drei Begriffe näher an, entdecken wir, dass sie an Bedingungen geknüpft scheinen: „Danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand!“ So ist das also: Nicht zugesagt und nicht versprochen, sondern als Ziel unseres Strebens sind sie gedacht. Das ist mehr als nichts und doch weniger als eine Zusage. Ob sie ein Pfand des Glücks im Sinne eines Beweises sind, oder ein Pfand, das wir dem Glück schulden, sei sprachlich dahingestellt und ist umstritten in der Auslegung unsere Hymne. Mit Glück haben diese drei Begriffe jedenfalls zu tun.

Ich verbinde mit diesen Begriffen freilich auch Erinnerungen an christliche Werte und Aussagen. Vielleicht können diese Gedanken jene drei Begriffe in einen weiteren Horizont stellen.

Einigkeit ist in der Tat Gabe und Aufgabe zugleich. Sie muss und kann erstrebt werden. Glück mag eine Folge davon sein, wenn Einigkeit gelingt oder sich ereignet. Aber sie ist zentral für die christliche Gemeinschaft. „Haltet in Einigkeit zusammen“ mahnt Paulus im Römerbrief. Und im 2. Korintherbrief: „Seid einer Meinung und lebt in Frieden miteinander, dann wird Gott, der uns seine Liebe und seinen Frieden schenkt, mit euch sein.“ Und noch deutlicher im 1. Korintherbrief: „Im Namen unseres Herrn Jesus Christus rufe ich euch auf: Seid einig! Bildet keine Gruppen, die sich gegenseitig bekämpfen! Haltet in gleicher Gesinnung und Überzeugung zusammen!“ Das also scheint klar: Es ist unsere Aufgabe, nach Einigkeit zu streben. Da mag der Geist manchmal helfen, aber wir sind gefragt.

Beim Recht freilich geht es um weit mehr, als um die Regelungen unseres Zusammenlebens. Wir glauben, dass wir Recht letztlich niemals schaffen können, wenn wir uns nicht von Gottes Gerechtigkeit umfangen lassen. Erst durch die Rechtfertigung sind wir überhaupt in der Lage, die tiefere Bedeutung dieses Wortes zu erfassen. Gott selbst spricht uns gerecht. Nur so können wir aufrecht durchs Leben gehen. Das können wir nicht erstreben, nicht erlangen, nicht herstellen, sondern einzig uns schenken lassen. Hier geht es nicht um Glück, sondern um Glaube. Unser Streben erfährt seine Grenzen schon im Versuch. Der Modus heißt hier vielmehr: Hören und Zulassen.

Freiheit freilich hat in diesem Licht eine völlig andere Bedeutung. Hier geht es weder um Streben, noch um Zulassen. Wenn ich christlich von Freiheit reden, nehme ich mir zu allererst Martin Luthers doppelte Bestimmung von 1520 zu Herzen: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Dies ist zunächst eine schlichte Beschreibung. Was daraus an Streben oder Zulassen entspringt, wird überlagert von der Erkenntnis: Ein Christ lebt in dieser Spannung. Erträglich wird diese nur unter dem Blickwinkel der Rechtfertigung. Einigkeit mag dort gelingen, wo Menschen diese Einsicht und diesen Glauben teilen. Dann werden sie vielleicht auch glücklich.

Genug Stoff zum Nachdenken für diese Woche.

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