Sonntag 23. November 2014

Aktuelles

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff wurde im Rahmen eines Festaktes am 30. Oktober 2014 mit dem Toleranz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing ausgezeichnet. Die Laudatio hielt die Schriftstellerin und Publizistin Hilal Sezgin.

Den Toleranz-Preis in der Kategorie „Zivilcourage“ erhielt die Informatikerin Dr. Constanze Kurz, ehrenamtliche Sprecherin des Chaos Computer Clubs und FAZ-Kolumnistin. Bundesministerin a. D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Mitglied des Kuratoriums der Evangelischen Akademie Tutzing, übernahm die Laudatio.

ARD-alpha sendet die Aufzeichnung des Festakts 

am 22. November 2014, um 22.30 Uhr    in der Sendereihe „denkzeit“.


Auf der weltpolitischen Agenda stehen nicht nur die Krisenherde Israel, Syrien und Ukraine, sondern eine darüber hinaus kaum zu überblickende Fülle. Die Probleme, die jeweils zu bewältigen sind, halten die Welt in Atem. Profunde Analysen bieten nüchterne, aber auch erschreckende Einblicke. Lösungsmöglichkeiten werden diskutiert, favorisiert - und scheitern dann doch immer wieder. Die Brisanz der aktuellen Konflikte liegt darin, dass sie immer weniger beherrschbar erscheinen.

Auf der Herbsttagung des Politischen Clubs wurde u.a. den Fragen nachgegangen, ob mit einer Zunahme von Kriegen zu rechnen ist, wo die besonnenen Kräfte sind und wie diese gestärkt werden können.

Einen Beitrag des Bayerischen Fernsehens mit Bundesminister a.D. Norbert Röttgen sehen Sie -> hier.
Ein Hörfunkinterview mit dem Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sendete BR2. Zum Nachhören klicken Sie -> hier.
Einen Beitrag des Rundschau-Magazins des BR sehen Sie -> hier.
Einen Bericht von Alexander Jungkunz in den Nürnberger Nachrichten erhalten Sie -> hier.

Impressionen

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller warnte vor der dynamischen Bevölkerungsentwicklung: "Es wird Kriege ums Wasser geben. Die Nahrung wird knapp. Wir haben ein Gerechtigkeits- und Verteilungsproblem."
"In der deutschen Außenpolitik brauchen wir Realismus, keine Beschönigung. Und wir brauchen Ausdauer und Geduld bei unserem Handeln", erklärte Bundesminister a.D. Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag.
Botschafter a.D. Avi Primor, Vorsitzender der Israelischen Gesellschaft für Auswärtige Politik, betonte, dass die USA und die EU gebraucht würden, um "internationalen Druck für eine Zwei-Staaten-Lösung auszuüben."
Auch Johannes Gerster, Vorsitzender des Kuratoriums der Israelstiftung in Deutschland, sprach sich für eine Zwei-Staaten-Lösung aus, "etwas anderes funktioniert im Nahen Osten nicht."
Im Hinblick auf die Ukraine-Krise stellte der frühere Bundesaußenminister Klaus Kinkel fest: "Putin muss Angst haben vor der Isolation Russlands und vor der Kündigung des SWIFT-Abkommens."
"Bei der Ukraine-Krise hat der Westen sicherlich auch Fehler gemacht. Aber das rechtfertigt nicht den Völkerrechtsbruch durch Russland", gab Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, zu verstehen.
"freeze fire" - das sei ein Vorschlage der UNO, bei dem beide Seiten im Syrien-Konflikt die Waffen niederlegten, aber nicht abgäben, erklärte Jörg Armbruster, ehemaliger Leiter des ARD-Studios in Kairo.
Reinhard Bütikofer, Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei, hob hervor, dass die USA und Europa im Syrien-Konflikt keine Verantwortung übernommen hätten. "Der Westen war in Tagträumen gefangen".
"Von allen Terrororganisationen in der Welt steht ISIS an vorderster Stelle. Sie sind global aufgestellt, beanspruchen den Aufbau eines eigenen Staates mit eigener Währung", sagte der Außenpolitische Sprecher der Fraktion B90/Die Grünen, Omid Nouripour.
Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Tobias Debiel stellte eine Zäsur im Jahr 2014 fest: "Wir haben jetzt einen militarisierten Islamismus mit Anspruch auf Eigenstaatlichkeit".


Auf dem Podium: Akademiedirektor Udo Hahn, Bernhard Sontheim, Babatunde Kai, Dr. Jürgen Micksch und Abt Dr. Johannes Eckert (v.l.)


Weltweit sind mehr als fünfzig Millionen Menschen auf der Flucht. So viele wie nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Gewalt, Verfolgung oder die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage sind die Ursachen. Der Krieg in Syrien lässt viele Menschen ihre Heimat verlassen, ebenso der Terror islamischer Fanatiker im Irak. Immer mehr Menschen fliehen – auch nach Deutschland. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erwartet bis Ende 2014 mehr als 200.000 Asylanträge insgesamt.

Am Donnerstag, den 13. November 2014, diskutierten in der Alten Bibliothek des Klosters Andechs zum Thema „Menschenrecht Asyl – Was können wir in Deutschland tun?“ Bernhard Sontheim, Bürgermeister von Feldafing, sowie Dr. Jürgen Micksch, Gründer und Ehrenvorsitzender des Netzwerks PRO ASYL, Vorstand des Interkulturellen Rates in Deutschland, und Babatunde Kai, der seit 2012 als Asylbewerber in Deutschland lebt und zur Zeit in Tutzing eine Ausbildung als Heizungsbauer absolviert.

Das Gespräch moderierten Dr. Johannes Eckert, Abt der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, und Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.

Lesen Sie nachfolgend einen -> Bericht von Thomas Lochte.


Akademiedirektor Udo Hahn überreicht Charlotte Knobloch den "Tutzinger Löwen" als Würdigung für ihren Einsatz gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus.
In der traditionellen Kanzelrede mahnte Charlotte Knobloch, aus der Geschichte zu lernen.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, ist am Sonntag, den 9. November 2014, mit dem „Tutzinger Löwen“ ausgezeichnet worden. Akademiedirektor Udo Hahn würdigte in seiner Begrüßungsansprache das Engagement Knoblochs mit den Worten: „Wir würdigen mit dieser Auszeichnung, verehrte Frau Dr. Knobloch, Ihr Engagement für eine jüdische Gegenwart und Zukunft in Deutschland, wir würdigen Ihren Maßstab setzenden Einsatz für Versöhnung sowie Ihr unbeugsames Eintreten gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Und wir würdigen Ihre Unterstützung des jüdisch-christlichen Dialogs.“

In ihrer anschließenden Kanzelrede plädierte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland für eine aktive Erinnerungskultur in der Gesellschaft. Knobloch zitierte den kürzlich verstorbenen Siegfried Lenz mit den Worten „Vergangenheit hört nicht auf. Sie prüft uns in der Gegenwart“ und beschrieb anschließend die Wunden auf ihrer Seele im Supergedenkjahr 2014 - einhundert Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs, 75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, 76 Jahre nach der Reichspogromnacht und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer. Der neue, alte Judenhass sei 2014 wieder da. „Israel brenne“ habe sie vielerorts gehört. Und jüdische Mitbürger seien wieder beschimpft, bedroht, ausgegrenzt und angegriffen worden. Laut Angaben der Bundesregierung hat sich der Antisemitismus in diesem Land im vergangenen Jahr fast verdoppelt. „Wo ist die Mehrheitsgesellschaft, die uns jüdische Mitbürger schützt? Warum bleibt die überwältigende Mehrheit so unsichtbar?“, fragte die Präsidentin der IKG das Publikum in der Erlöserkirche und ergänzte: „Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die von Zivilcourage redet, aber wenn es darauf ankommt, den Kopf in den Sand steckt.“

An die jüngere Generation gewandt betonte Knobloch: „Ich wünsche mir, dass wir eine wehrhafte Bürgergesellschaft bilden. Und ich rufe heute wiederholt die jungen Menschen dazu auf, für Freiheit, Frieden und Demokratie zu kämpfen.“ Die Erkenntnisgeneration müsse den Stab der Geschichte an die Erlebnisgeneration weiterreichen. Und die Erkenntnisgeneration dürfe das „Nie wieder“ nicht vergessen, so Knobloch. Die Bundesrepublik Deutschland habe es in den letzten 65 Jahren weit gebracht, lobte die Präsidentin der IKG und rief den Zuhörerinnen und Zuhörern von der Kanzel aus zu: „Wache auf Deutschland. Was in den 65 Jahren erreicht wurde, müssen wir schützen und verteidigen, damit das schlimmste Verbrechen des 20. Jahrhunderts sich nicht wiederholt. Nie wieder.“

Kanzelrede verpasst? ARD-alpha überträgt die Kanzelrede von Charlotte Knobloch am 3. Januar 2015, um 22.30 Uhr in der Sendereihe „Denkzeit“.

Die Begrüßungsansprache von Akademiedirektor Udo Hahn erhalten Sie -> hier.
Die vollständige Rede von Dr. h.c. Charlotte Knobloch erhalten Sie -> hier.
Einen Fernsehbeitrag der BR-Rundschau erhalten Sie -> hier.


Paul Celan - der Dichter wählte 1970 den Freitod

Am Mittwoch, den 12. November 2014, lädt die Evangelische Akademie Tutzing herzlich zu einer neuen Ausgabe des „Tutzinger Salons“ ein. Im Mittelpunkt steht der Briefwechsel von Paul Celan und seiner Jugendfreundin Ilana Shmueli, einer Freundin aus Czernowitzer Jugendtagen und aus der Zeit des Ghettos.

Nach Jahrzehnten der Trennung haben sich der berühmt gewordene Dichter und die seit 1944 in Israel lebende Ilana Shmueli im Jahre 1965 in Paris wieder gesehen. Die unerwartete Begegnung endete nach nächtelangen Gesprächen mit Ilana Shmuelis Versprechen: „Ich will Dir Jerusalem zeigen.“ Mit Celans Reise im Oktober 1969 nach Israel beginnt eine 130 Briefe umfassende Korrespondenz, die erkennen lässt, welche tiefgehende Bedeutung der Israelbesuch für Celan gehabt hat: Es handelte sich um eine Heimatsuche, und um Celans letzte große Liebesbeziehung.

Die Schauspieler Helmut Vogel und Graziella Rossi werden in ihrer Szenischen Lesung einen Einblick in ein einzigartiges Dokument des Vertrauens und der Liebe geben, das noch einmal ein Anker der Hoffnung zu sein schien, bevor der Dichter 1970 den Freitod wählte. 

  Auch anreden ist berühren: Paul Celan & Ilana Shmueli
12. November 2014, 19.30 Uhr, Evangelische Akademie Tutzing
Eintritt: 5 €, Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Das detaillierte Programm finden Sie -> hier.


Kloster Andechs (c) wikipedia

Weltweit sind mehr als fünfzig Millionen Menschen auf der Flucht. So viele wie nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Gewalt, Verfolgung oder die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage sind die Ursachen. Der Krieg in Syrien lässt viele Menschen ihre Heimat verlassen, ebenso der Terror islamischer Fanatiker im Irak. Immer mehr Menschen fliehen – auch nach Deutschland. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erwartet bis Ende 2014 mehr als 200.000 Asylanträge insgesamt.

In der Reihe "Reden zwischen Himmel und Erde" diskutieren am Donnerstag, den 13. November 2014, um 19.00 Uhr, in der Alten Bibliothek des Klosters Andechs zum Thema „Menschenrecht Asyl – Was können wir in Deutschland tun?“ Christian Bernreiter, Landrat des Landkreises Deggendorf und Präsident des Bayerischen Landkreistages, sowie Dr. Jürgen Micksch, Gründer und Ehrenvorsitzender des Netzwerks PRO ASYL, Vorstand des Interkulturellen Rates in Deutschland, und Babatunde Kai, der seit 2012 als Asylbewerber in Deutschland lebt und z.Z. in Tutzing eine Ausbildung als Heizungsbauer absolviert.

Das Gespräch moderieren Dr. Johannes Eckert, Abt der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, und Pfarrer Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.   

Der Eintritt ist frei.


Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, hält am 

  Sonntag, den 9. November 2014, um 11.30 Uhr  

die traditionelle Kanzelrede in der Erlöserkirche an der Münchner Freiheit, in München-Schwabing. Die Kanzelrede – eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing und ihres Freundeskreises – steht unter dem Thema „Nie wieder!? – Geschichte prüft uns in der Gegenwart“. In ihrer Rede wendet sich Knobloch gegen die um sich greifende geschichtsverdrossene Gedankenlosigkeit und historische Gleichgültigkeit vieler Menschen und plädiert für den Erhalt und die Fortentwicklung einer klugen Erinnerungskultur in unserem Land.

Charlotte Knobloch wurde am 29. Oktober 1932 in München geboren. Die Nazizeit überlebte sie bei einer katholischen Familie in Franken, die sie als ihr uneheliches Kind ausgab. Nach dem Krieg kehrte sie in ihre Geburtsstadt zurück, heiratete 1951 Samuel Knobloch und wurde Mutter von drei Kindern. Seit 1985 ist Charlotte Knobloch Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, von 2003-2010 war sie Vizepräsidentin des Europäischen Jüdischen Kongresses, von 2005-2013 Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, 2005 wurde sie Ehrenbürgerin von München.

Zu Knoblochs wichtigsten Aufgaben seit ihrer Wahl zur Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland (2006-2010) gehört die Integration der Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Im Nachgang zu der Kanzelrede wird Charlotte Knobloch mit dem „Tutzinger Löwen“ ausgezeichnet. Sie ist nach den Politikern Helmut Kohl, Hildegard Hamm-Brücher und Egon Bahr, dem Physiker Carl-Friedrich von Weizsäcker (1912-2007), dem Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, den früheren bayerischen Landesbischöfen Hermann von Loewenich (1931-2008) und Johannes Friedrich, sowie dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., die neunte Persönlichkeit, die mit dieser Bronzeplastik geehrt wird.

Die Evangelische Akademie Tutzing würdigt nach den Worten ihres Direktors, Udo Hahn, mit dieser nicht dotierten Auszeichnung das Engagement von Charlotte Knobloch "für eine jüdische Gegenwart und Zukunft in Deutschland, ihren Maßstab setzenden Einsatz für Versöhnung sowie ihr unbeugsames Eintreten gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus". Der „Tutzinger Löwe“ stehe darüber hinaus für Toleranz und Weltoffenheit.

Die Kanzelrede wird von BR-alpha aufgezeichnet.


Ein aufmerksamer Zuhörer: Klaus Bölling (Foto: Dirk Bleicker)

Ich hatte gerade mein neues Aufgabengebiet des Pressereferenten übernommen, da kam eines Tages im Schlosspark der frühere Direktor Claus-Jürgen Ropeke auf mich zu – im Schlepptau einen Mann, den ich aus dem Fernsehen gut kannte: Klaus Bölling. „Darf ich Ihnen den neuen Leiter unseres Politischen Clubs vorstellen?“, fragte Roepke mich. „Ja bitte, gerne“, erwiderte ich. Nach dem Austausch der obligatorischen Höflichkeiten hatte Roepke sich zurückgezogen. Jetzt war ich mit Klaus Bölling alleine. „Wir sind wohl beide neu hier“, eröffnete Bölling das Gespräch. „Ja, seit ein paar Wochen“, entgegnete ich ihm. „Wird schon werden“, sagte Bölling. „Ja, wird schon werden, hoffe ich auch“, sagte ich. Dann erzählten wir uns aus unserem Leben. Er aus seinem reichhaltigen. Ich aus meinem weniger reichhaltigen. Abschließend drückten wir uns die Hand und wünschten uns gutes Gelingen für die Zukunft. „Ach ja“, sagte Bölling, „hier habe ich noch etwas für Sie.“ Er zog ein Buch aus seiner Aktentasche und überreichte es mir. „Das könnte Sie interessieren“: Die letzten 30 Tage des Kanzlers Helmut Schmidt. Ich bedankte mich mit einer Verbeugung und las in den kommenden Wochen das Buch mit großem Gewinn.

1991 also hatte der weltgewandte Journalist Klaus Bölling als Nachfolger des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Paul Noack die Leitung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing übernommen. Bölling war gebürtiger Potsdamer – getauft in der ehemaligen Garnisonskirche der Stadt – und lebte in Berlin als freier Journalist. Von 1966 bis 1969 war er Chefredakteur beim Norddeutschen Rundfunk, von 1969 bis 1973 Leiter des ARD-Studios in Washington und Chefkorrespondent des Deutschen Fernsehens in den USA. 1974 wurde Bölling – zwischenzeitlich Intendant von Radio Bremen – von Helmut Schmidt zum Regierungssprecher berufen. Im Februar 1981 übernahm er die Leitung der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der Deutschen Demokratischen Republik. Kurz vor Ende der sozial-liberalen Koalition kehrte er 1982 wieder in sein altes Amt nach Bonn zurück.

Mit Klaus Bölling hatte die Akademie einen Clubleiter gewonnen, der insbesondere den Prozess der deutschen Einigung mit einem entsprechenden Tagungsangebot begleiten konnte, so beispielsweise mit seiner ersten Tagung „Deutsche zweier Klassen?“. Es folgten weitere Veranstaltungen mit den Titeln „Deutschlands Rolle in der Welt von morgen“ oder „Dämon Deutschland?“, die sich das Ziel einer Standortbestimmung Deutschlands in Europa gesetzt hatten. In der Sommertagung des Politischen Clubs 1992 analysierte Bölling mit Manfred Stolpe, damals Ministerpräsident des Landes Brandenburg, die Formen einer deutsch-polnischen Zusammenarbeit.

Am 27. Mai 1993 wurde Klaus Bölling von Akademiedirektor Dr. Friedemann Greiner aus dem Amt des Clubleiters verabschiedet. Die Nachfolge trat Karl Moersch (FDP) an. Gestern, am 2. November 2014, starb der Publizist und leidenschaftliche Journalist Klaus Bölling im Alter von 86 Jahren. Die Evangelische Akademie Tutzing wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Axel Schwanebeck


Am 30. September 1989 verkündete Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der westdeutschen Botschaft in Prag Tausenden DDR-Flüchtlingen, "dass heute Ihre Ausreise" ermöglicht worden sei. Am 1. Oktober traf der erste Sonderzug mit Flüchtlingen in Hof ein. Und dann überstürzten sich die Ereignisse, bis am 9. November 1989 die Mauer fiel.

Dieses historische Datum nimmt die Evangelische Akademie Tutzing zum Anlass, um in einer Kooperationstagung mit der Stadt Hof die Ereignisse von einst noch einmal zu reflektieren:  

Wendezeit 25 Jahre Grenzöffnung  
Tagung vom 14.-16. November 2014
im Meister Bär Hotel, Frankenwald, Rudolphstein


Die Tagung wird mit einem Rückblick auf „Die Zeit der Züge“ am Hofer Hauptbahnhof eröffnet. Zur Begrüßung sprechen Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner und der damalige Oberbürgermeister Dieter Döhla. Sie werden Rückschau auf die denkwürdigen Ereignisse im Oktober 1989 halten.

Wir laden Sie herzlich ein, zur Begrüßung und Tagungseröffnung zu kommen:  
am Freitag, 14. November 2014, um 16.30 Uhr
im Königssaal des Hofer Hauptbahnhofs

Das vollständige Tagungsprogramm erhalten Sie -> hier.
Anmeldung über: Rita Niedermaier, Tel.: 08158 / 251-128 (9-12 Uhr) oder per E-mail: niedermaier@ev-akademie-tutzing.de 


 

Akademiedirektor Udo Hahn, die Laudatorinnen Hilal Sezgin und Bundesministerin a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, sowie Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Dr. Constanze Kurz, Ministerpräsident a.D. Dr. Günter Beckstein und Sabine Rüdiger-Hahn (v.l.).


Der frühere Bundespräsident Christian Wulff wurde am Donnerstag, den 30.10.2014, mit dem undotierten „Toleranz-Preis“ der Evangelischen Akademie Tutzing ausgezeichnet.

Der bereits zum zweiten Mal vergebene Preis in der Kategorie „Zivilcourage“ ging an Constanze Kurz, Sprecherin vom Chaos Computer Club und „FAZ“-Kolumnistin, als „unbequeme Mahnerin“ auf dem Gebiet des Datenschutzes.

Die Begrüßungsworte von Akademiedirektor Udo Hahn erhalten Sie -> hier.
Die Begrüßungsworte von Ministerpräsident a.D. Dr. Günther Beckstein erhalten Sie -> hier.
Die Laudatio von Bundesministerin a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erhalten Sie -> hier.
Die Laudatio der Schriftstellerin Hilal Sezgin erhalten Sie -> hier.
Die Dankesrede von Bundespräsident a.D. Christian Wulff erhalten Sie -> hier.
Einen Beitrag von bayern2-Radio erhalten Sie -> hier.
Einen weiteren Hörfunkbeitrag von B5-aktuell erhalten Sie -> hier.
Einen Fernsehbeitrag der BR-Nachrichten erhalten Sie -> hier.

Altbundespräsident Wulff rief zu mehr Toleranz auf: "Ich wünsche mir ein Miteinander der Religionen. Parallelgesellschaften zu verhindern, geht am besten durch Hinwendung." Das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft könne nur gelingen, wenn Menschen bereit seien, sich offen auf die Sicht des Anderen einzulassen. Mehr als 14 Millionen Muslime leben derzeit in Europa; damit sei der Islam zur zweitgrößten Religionsgemeinschaft neben dem Christentum geworden.
Die Informatikerin Constanze Kurz sagte in ihrer Dankesrede, sie habe als Ost-Berlinerin miterlebt, wie übermäßig Geheimdienste sein können. Sie wolle sich weiter für eine digitale Zukunft einsetzen, in der die Menschenrechte geachtet werden. "Technik ist nicht gottgegeben. Deshalb sollten wir sie gestalten und müssen sie auch gestalten."
Die türkischstämmige Publizistin Hilal Sezgin (li.) hob in ihrer Laudatio auf den Preisträger hervor, dass Wulff sich schon als Ministerpräsident von Niedersachsen gegen Islamfeindlichkeit eingesetzt habe. Die Integration von Muslimen sei wichtig. Wer glaubt, man könne Gott mit Krieg und Feuer dienen, der missverstehe den Islam. Und die frühere Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (2.v.l.) würdigte die Arbeit von Constanze Kurz mit den Worten: "Sie hat sich um die Demokratie verdient gemacht. Denn Information, Aufklärung und Transparenz sind wichtige Beiträge für Teilhabe an demokratischen Meinungsbildungsprozessen."
Die beiden Preisträger bedankten sich für die Auszeichnung und betonten, dass das Zusammenleben in Frieden, Freiheit und Demokratie nur unter dem Blickwinkel der Toleranz gelingen kann. "Nur wer tolerant ist, kann mit Berechtigung von anderen Toleranz erwarten."


Heute Abend um 19.00 Uhr wird Bundespräsident a.D. Christian Wulff den Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing erhalten. Im Vorfeld führte Wulff ein Interview mit BR-Redakteur Martin Voglmaier. Darin stellte der christdemokratische Politiker noch einmal fest, dass in der Bundesrepublik Deutschland Staat und Religion voneinander getrennt seien und niemand wegen seiner Hautfarbe, Herkunft oder Religion benachteiligt werden dürfe. Des weiteren erklärte der frühere Bundespräsident, dass er mit seiner Aussage „der Islam gehört inzwischen zu Deutschland“ ein Zeichen an die 3 bis 4 Millionen in Deutschland lebenden Muslime habe setzen wollen, dass sie hier willkommen seien.

Die Verleihung des Toleranzpreises an ihn sieht Wulff „als große Verpflichtung, dafür zu streiten, dass es einen klugen Mittelweg gibt zwischen den verschiedenen Kulturen und ein Krieg im Sinne eines Aufeinanderprallens der Kulturen vermieden werden kann.“

Das Interview können Sie -> hier in der Rundschau vom 30.10.2014 noch einmal anschauen.


mit Dr. Konstanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs in der Evangelischen Akademie Tutzing am 31. Oktober 2014, 9.30 bis 11.00 Uhr

Die digitale Welt - ein Lebensraum. Sich darin sicher zu bewegen, ist nich so einfach. Der Schutz der eigenen Daten im Netz, das Recht am eigenen Bild, Datenmissbrauch, Datenhandel - die digitale Welt eröffnet viele Chancen, sie birgt aber auch Risiken. Unter dem Titel "Meine Daten gehören mir!?" lädt die Evangelische Akademie Tutzing junge Menschen zwischen 13 und 33 zu einem Workshop ein - mit der Informatikerin und Sachbuchautorin Dr. Constanze Kurz. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt. Anmeldung bitte per E-mail an Isabell Holzmann: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailholzmann@ev-akademie-tutzing.de

Am Abend zuvor wird Constanze Kurz mit dem Toleranz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing in der Kategorie "Zivilcourage" ausgezeichnet. Die ehrenamtliche Sprecherin des Chaos Computer Clubs und FAZ-Kolumnistin wird für ihr vorbildliches Engagement als unbequeme Mahnerin auf dem Gebiet des Datenschutzes und der Datensicherheit geehrt. Die Akademie würdigt ihre wissenschaftlichen und journalistischen Arbeiten, mit denen sie ethische und rechtliche Maßstäbe aufzeigt, wie Politik, Gesellschaft und jeder Einzelne verantwortlich auf die Herausforderungen reagieren muss, die sich durch den Umgang mit Daten und Informationen ergeben. 


 


Lesen Sie mehr in der Chronik 2014

 



Aktuelle Informationen zu unserer Arbeit im vergangenen Jahr entnehmen Sie bitte unserer Jahreschronik 2013.

ROTUNDE - Blog der Akademie

Auch im Bereich unseres neuen Blogs sind Sie herzlich eingeladen, das Geschehen an der Akademie aktiv mitzuverfolgen.

Wir freuen uns auf Beiträge, Kommentare und interessierte Fans!

Zu dem Blog gelangen Sie hier.

Bildergalerien:



Kammerkonzerte mit dem BR

In der kommenden Saison 2014/2015 werden im Musiksaal von Schloss Tutzing wieder die Solisten aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Kammermusik zu erleben sein. Die Konzerte finden jeweils sonntags um 18.00 Uhr statt.

Nähere Einzelheiten erfahren Sie hier



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Videos und Audios

Vorschau:

BIOETHIK IM DISKURS
24. - 25. November 2014

Die Biotechniken sind heute weiter als die sie begleitenden ethischen Debatten zu PID, Humanstammzellen, Klonen und synthetischer Biologie. Wer führt diesen Diskurs und was sind seine Bedingungen? Forum Ethik Interdisziplinär

ERFOLGREICH DIE GROSSE TRANSFORMATION ANSTOSSEN
26. - 27. November 2014

Transformateure sind unterwegs von der Nichtnachhaltigkeit in eine postfossile nachhaltige Zukunft. Wir diskutieren über: Bauen, Ernährung, Mobilität, Arbeit, Finanzen, Leben, Zeitwohlstand.
TTT – Tutzinger Transformations Tagung



DIGITAL PUBLIZIEREN - Wie lässt sich damit Geld verdienen?
26. November 2014

Wie verändern die Medien unser Kommunikationsverhalten? Hat Gedrucktes noch eine Zukunft? Nach welchen ethischen Leitlinien arbeiten Medienmacher? In der Begegnung mit Journalistinnen und Journalisten werden diese und andere Themen diskutiert. Medientreff im Münchner PresseClub

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Neben den Kammerkonzerten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks finden in der Evangelischen Akademie Tutzing auch Konzerte der Tutzinger Brahmstage sowie der Musikfreunde Tutzing e.V. statt.