Montag 31. August 2015

Aktuelles

Egon Bahr bei der Tagung des Politischen Clubs 2013

Es waren besondere Momente, als Egon Bahr 2012 und 2013 die Evangelische Akademie Tutzing besuchte: als er mit dem „Tutzinger Löwen“ ausgezeichnet wurde und ein Jahr später an der Sommertagung des Politischen Clubs teilnahm – fünfzig Jahre nach der Geburt eines Mottos in unserem Haus, das die Geschichte Deutschlands und Europas verändern sollte: „Wandel durch Annäherung“.

Die Evangelische Akademie Tutzing wurde durch ihn berühmt – und auch er selbst, damals ein junger und wenig bekannter Politiker. Dass „Wandel durch Annäherung“ zum Programm Willy Brandts wurde, unterstreicht die enge Beziehung der beiden. Egon Bahr berichtet darüber in dem Band „Das musst du erzählen“, das als Erinnerung an Brandt 2013 erschien. Richard von Weizsäcker wird auf dem Buchumschlag mit diesen Worten zitiert: „Willy Brandt und Egon Bahr, das war ein ziemlich einmaliges Zusammenwirken. Jeder kam erst mit Hilfe des anderen zur wirksamen Entfaltung seiner Gaben.“

Diese Einschätzung passt sehr gut zu dem, was sich 1963 in der Evangelischen Akademie Tutzing ereignete: Egon Bahr erfand das Motto der Ostpolitik Willy Brandts. Diese Dimension war, als Bahr diese Worte in unserem Haus sprach, keineswegs klar. „Wir waren beide überrascht, dass mein kleiner Diskussionsbeitrag wie eine politische Bombe einschlug und, zum unverhohlenen Missfallen Brandts, seine große Rede nicht die gebührende Beachtung fand“, schreibt Egon Bahr u. a. in dem Band rückblickend auf die Tagung in Tutzing. Am 13. Februar 2012 sagte er in seiner Dankesrede bei der Verleihung des „Tutzinger Löwen“: „Die Modernisierung des Wandels durch Annäherung heißt heute: Globalisierung durch Annäherung.“

Egon Bahr war ein begnadeter Erzähler, der mit seinen Erinnerungen Geschichte lebendig werden ließ und Zusammenhänge aufzeigte, die dazu beitrugen, die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland besser zu verstehen. Dass die Evangelische Akademie Tutzing in diesem Zusammenhang zu einem besonderen Ort geworden ist, erfüllt alle, die hier arbeiten, mit Dankbarkeit – und auch mit Stolz.

Udo Hahn

Die Rede von Egon Bahr anlässlich der Verleihung des Tutzinger Löwens finden Sie Öffnet externen Link in neuem Fensterhier.

Die Laudatio von Akademiedirektor Udo Hahn ist Öffnet externen Link in neuem Fensterhier zu lesen.


Der Landschaftsökologe Professor Wolfgang Haber.

Das Wirken der Menschen hat den Planeten Erde so sehr verändert, dass damit ein eigenes erdgeschichtliches Zeitalter entstanden ist, sagt der Nobelpreisträger Paul Crutzen (2000). Crutzen nannte es Anthropozän (von anthropos = Mensch und cene = neu), das damit das Zeitalter Holozän (Nacheiszeit) ablöst. In Wissenschaft und Gesellschaft wird seitdem lebhaft diskutiert, ob das Anthropozän gerechtfertigt sei.

Der Landschaftsökologe Professor Wolfgang Haber meint „ja“. In seinem Gastbeitrag für den morgen erscheinenden Newsletter der Evangelischen Akademie Tutzing erklärt Haber, dass das Anthropozän für die meisten Wissenschaftler bereits mit dem Beginn der Landwirtschaft vor rund 10.000 Jahren begonnen habe.

Mehr darüber lesen Sie -> hier.

In der Tagung „Ökologie und Humanität im Anthropozän“ (18.-20.9.2015) ehrt die Evangelische Akademie Tutzing Professor Wolfgang Haber zu seinem 90. Geburtstag. Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, den Maximiliansorden und als Erster den hoch dotierten Deutschen Umweltpreis. Anmeldung zu der Tagung bei Susanna Satzger: Tel: 08158 / 251-126; Email: satzger@ev-akademie-tutzing.de.


Akademiedirektor Udo Hahn (l.) hält die Laudatio auf "My Name Is Salt" - neben ihm die Jury-Mitglieder Erika Littmann (m.)und Sabine Zaplin (r.) (c) Jörg Reuther)

Die Gemeinde Herrsching stiftet ihn und er ist mit 2.000 Euro dotiert: den Horizonte Filmpreis, der im Rahmen des fünf seen filmfestivals (fsff) vergeben wird. Mit dieser Auszeichnung sollen Filme gewürdigt werden, die sich in besonderem Maße um Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und ein stimmiges Zusammenleben zwischen Mensch, Tier und Natur verdient machen und Verständnis für andere Kulturen wecken. Acht Filme hatte die Jury zur Auswahl, deren Vorsitz ich führen dürfte. Ihr gehörten weiter an: Dagmar Kusche (mixtvison Mediengesellschaft). Erika Littmann (Stifterin der Selbach Umwelt Stiftung), Sabine Zaplin (Publizistin und Schriftstellerin) sowie Subramanian Venkat Raman (Festivaldirektor des "Kalpanirjhar International Short Fiction Film Festival"). Unsere Entscheidung war einstimmig - für Farida Pachas Film "My Name Is Salt". Die Begründung der Jury lesen Sie -> hier. Ein bemerkenswerter Film, der hoffentlich bald einen Verleiher findet!

160 Filme wurden vom 29. Juli bis zum 9. August gezeigt. Kinobetreiber und Festival-Leiter Matthias Helwig hat mit seinem fsff längst eine Marke geschaffen. 19.000 Besucherinnen und Besucher - ein neuer Rekord - beweisen, dass auch das Programmkino Massen bewegen kann. Qualitätvolle Filme finden hier ihr Publikum - und hoffentlich darüber hinaus. Festivals wie das fsff tragen wesentlich dazu bei, dass Arthouse nicht mehr mit Nischenprogramm gleichgesetzt werden kann.

Udo Hahn


In seinem Erstlingswerk thematisiert der estnische Regisseur Martti Helde (28) die ethnischen Säuberungen an der baltischen Bevölkerung unter Stalin in der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Im Rahmen des diesjährigen fünf seen filmfestivals (fsff) übernahm die Evangelische Akademie Tutzing die Patenschaft für den Film "In the crosswind". Der noch ganz junge estnische Drehbuchautor und Regisseur Martti Helde thematisiert darin die Deportation estnischer Familien nach Sibirien im Juni 1941.

Im Mittelpunkt des Films steht die 27jährige Erna, die im Zuge des Geschehens ihre kleine Tochter und ihren Mann verliert. Mit einer Schwarz-Weiß-Verfilmung, die ihre Dramatik aus gestellten Szenen, in die die Kamera gleichsam hineinfährt, gewinnt, hat Helde ein ungewöhnliches Filmerlebnis produziert. Unterlegt mit Originalbrief- und Tagebuchtexten aus Familienbesitz fühlen sich die Zuschauer mitten in das grausame Geschehen der Vertreibung und Exilierung versetzt. Darin blitzen allerdings auch Elemente von Mitmenschlichkeit und einer Naturkulisse auf, die den Zuschauern die Hoffnung belässt, dass mit Tod und Zerstörung noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Dr. Ulrike Haerendel, Stellvertretende Akademiedirektorin, bemerkte zu dem Film, dass er einerseits estnische Geschichte und Identität stark vermittelt, andererseits sich als Parabel auf das Flucht- und Vertreibungsschicksal ethnischer Gruppen lesen lässt, wie wir es in anderen Konfliktherden im arabischen oder afrikanischen Raum auch akut erleben.


Akademiedirektor Udo Hahn

Nein, ein Recht auf Kirchenasyl gibt es nicht. Dennoch wird es in Deutschland gewährt – als ein Akt des zivilen Ungehorsams, so könnte man es beschreiben. Rund 450 Flüchtlinge befinden sich derzeit in Deutschland in 293 Kirchenasylen, die evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinden bzw. Klöster gewähren. Gut 250 Personen sind so genannte Dublin-Fälle. Dabei handelt es sich um Flüchtlinge, die in das EU-Land abgeschoben werden würden, in dem sie ankamen. Die Bedingungen etwa in Bulgarien oder Ungarn werden als unmenschlich eingestuft, nicht zuletzt, weil Asylsuchenden dort Gefängnis droht.

In der heutigen Ausgabe des Münchner Merkurs geht Akademiedirektor Udo Hahn auf das Kirchenasyl ein. Näheres erfahren Sie auf unserem Blog -> bit.ly/1eUDd3G


Professorin Johanna Haberer, Akademiedirektor Udo Hahn und Yvonne Hofstetter (v.l.)


ARD-alpha zeigt Sommergespräch in der Evangelischen Akademie Tutzing

Wollen wir wirklich grenzenlos kommunizieren? Verlieren wir nicht durch die freiwillige Preisgabe all unserer privaten und beruflichen Daten unsere Freiheit als Individuum? Zu diesem hoch aktuellen und brisanten Thema hatte die Evangelische Akademie Tutzing am 22.6.2015 Bürgerinnen und Bürger zu einem „Sommergespräch“ eingeladen. Die Sommergespräche sind ein gemeinsames Projekt der Akademie für Politische Bildung, der Katholischen Akademie in Bayern und der Evangelischen Akademie Tutzing.

Über die sich vollziehende Medienrevolution und die damit zusammenhängenden Herausforderungen für Politik und Gesellschaft diskutierten Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, und Yvonne Hofstetter, Geschäftsführerin der Terramark Technologies GmbH in München. Die Moderation übernahm Akademiedirektor Udo Hahn.

Johanna Haberer beschrieb die Medienrevolution als Eingriff in die Selbstbestimmtheit des Einzelnen und warnte vor datensammelwütigen Unternehmen und Organisationen. Einen Blick voraus warf Yvonne Hofstetter mit dem brisanten Hinweis: „Google bereitet gerade die Kartografierung der Gesundheitsdaten der ganzen Welt vor.“ Werden Hochleistungscomputer, künstliche Intelligenz und lernende Maschinen zukünftig unser Denken und Handeln bestimmen?

Wenn Sie wissen wollen, wie das „Sommergespräch“ weiter verlief und zu zu welchen Ergebnissen die Diskussionspartner gelangten, dann empfehlen wir Ihnen, sich die Fernsehaufzeichnung von

ARD-alpha, am Samstag, den 1. August 2015, um 22.30 Uhr in der Sendereihe „denkzeit“

anzuschauen. In der Sendung erfahren Sie auch, was eine wehrhafte Demokratie gegenüber einer unkontrollierten Datenerfassung und –auswertung alles tun kann.

Sendung verpasst? Dann können Sie den Beitrag -> hier ansehen.


Die Evangelische Akademie Tutzing hat beim 9. Fünf Seen Filmfestival (FSFF), das in der Zeit vom 29.7. bis zum 9.8.2015 in Seefeld, Starnberg, Herrsching, Hochstadt und Weßling sowie in Dießen und Landsberg/Lech stattfindet, die Patenschaft für den Film „In the Crosswind“ übernommen.

In seinem Erstlingswerk thematisiert der estnische Regisseur Martti Helde (28) die ethnischen Säuberungen an der baltischen Bevölkerung unter Stalin in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Zentrum des Films stehen die estnische Philosophiestudentin Erna, ihr Mann Heldur und ihre kleine Tochter Eliide, die 1941 zur Zwangsarbeit in sibirische Gulags deportiert werden. Schon bald von ihrem Mann getrennt, schreibt Erna unermüdliche Briefe, berichtet von den Zuständen im Lager, von der harten Arbeit, von Hunger, Willkür und schließlich vom Tod ihrer gemeinsamen Tochter… In den Hauptrollen brillieren Laura Peterson (als Erna), Mirt Preegel (als Heldur) und Ingrid Isotamm (als Eliide).

Akademiedirektor Udo Hahn, Vorsitzender der Jury „Horizontefilmpreis“ des FSFF, würdigte das Festival der Filmschaffenden und Filmbegeisterten mit den Worten: „Das Fünf Seen Filmfestival ist mit über 100 noch nicht im Kino gezeigten Filmen bei über 300 Vorstellungen zu einem längst auch bundesweit anerkannten Filmfestival geworden. Ein großartiger Erfolg, der Matthias Helwig zu verdanken ist, der für mich zu den innovativsten Kinobetreibern Deutschlands zählt.“

Der Film „In the Crosswind“ wird an folgenden Tagen gezeigt:

Sonntag, 2.8.2015, um 14:00 Uhr im Kino Seefeld

Mittwoch, 5.8.2015, um 19:30 Uhr im Kino Starnberg (Begrüßung und anschließendes Filmgespräch mit Dr. Ulrike Haerendel, stellv. Direktorin der Evangelischen Akademie Tutzing).

Tickets für alle Vorstellungen, inkl. Sonder-Events, sind erhältlich bei:

Kino Breitwand Starnberg (ab 15 Uhr), Wittelsbacherstr. 10, 82319 Starnberg Tel.:08151-971800, starnberg@breitwand.com

Kino Breitwand Schloss Seefeld (ab 17 Uhr), Schlosshof 7, 82229 Seefeld-Hechendorf Tel.: 08152-98 18 98, seefeld@breitwand.com

Kino Breitwand Herrsching (ab 19 Uhr, hier nur Vorstellungen in Herrsching), Luitpoldstr. 5,82211 Herrsching, Tel.:08152-399610, herrsching@breitwand.com

Das vollständige Programm zum diesjährigen FSFF erhalten Sie unter folgendem Link: http://www.fsff.de/home/cm/fff-2015-2/programm/index.html


 

 

Generalkonsul der Französischen Republik in Bayern, Jean-Claude Brunet (li.) und Akademiedirektor Udo Hahn

Der Generalkonsul der Französischen Republik in Bayern, Jean-Claude Brunet, informierte sich in einem Gespräch mit dem Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, Udo Hahn, über die Arbeit dieser Bildungseinrichtung.

In dem Gedankenaustausch ging es neben aktuellen Themen aus Politik und Kultur u.a. auch um die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft im Blick auf die Zukunft der Europäischen Union.

Brunet nahm unlängst auch an der Sommertagung des Politischen Clubs teil.

 

 

 




Lesen Sie mehr in der Chronik 2015.

 



Aktuelle Informationen zu unserer Arbeit im vergangenen Jahr entnehmen Sie bitte unserer Jahreschronik 2014.

ROTUNDE - Blog der Akademie

Auch im Bereich unseres neuen Blogs sind Sie herzlich eingeladen, das Geschehen an der Akademie aktiv mitzuverfolgen.

Wir freuen uns auf Beiträge, Kommentare und interessierte Fans!

Zu dem Blog gelangen Sie hier.

Bildergalerien:



Kammerkonzerte mit dem BR

In der kommenden Saison 2015/2016 werden im Musiksaal von Schloss Tutzing wieder die Solisten aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Kammermusik zu erleben sein. Die Konzerte finden jeweils sonntags um 18.00 Uhr statt.

Nähere Einzelheiten erfahren Sie hier



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Videos und Audios

Vorschau:

Film des Monats: Taxi Teheran
2. September 2015

Jeden 1. Mittwoch im Monat / Nähere Infos immer unter www.breitwand.com
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Ökologie und Humanität im Anthropozän
18. - 20. September 2015

Der Mensch und seine Aktivitäten werden zunehmend zu einem bestimmenden Faktor in der geo-physikalisch-biologischen Entwicklung der Erde. Zugleich bleiben die Menschen unauflösbar Teil der äußeren Natur. Was bedeutet das Anthropozän für das Verhältnis von Humanität und Ökologie?
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Der Islam in Deutschland und seine Akteure
21. - 22. September 2015

Interner Pluralismus, unterschiedliche Gruppierungen, neue Herausforderungen: Der Islam in Deutschland ist vielfältig. Was bedeutet dies für den interreligiösen Dialog und die Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen?
Expertenforum mit der Eugen-Biser-Stiftung
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Neben den Kammerkonzerten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks finden in der Evangelischen Akademie Tutzing auch Konzerte der Tutzinger Brahmstage sowie der Musikfreunde Tutzing e.V. statt.